Bandinfo
Nüchtern betrachtet hat Roland Meyer de Voltaire die letzten drei Jahre damit verbracht, einen Wohnungsumzug zu vollziehen, viele neue Menschen kennen zu lernen und eine Band zu retten, die schon aufgelöst schien. Doch wer den Protagonisten kennt, weiß, wie viel mehr hinter diesen Dingen steckt.
Roland Meyer de Voltaire ist Sänger und kreativer Kopf der deutschen Band Voltaire, die 2006 mit „Heute ist jeder Tag“ ein vielbeachtetes und von der Presse hoch gelobtes Debütalbum ablieferte. Doch was zu einem Independent-Erfolg werden sollte avancierte zum Kritikerliebling. Für den Major Universal, der schon per definitionem nicht auf Indie-Erfolge schielt, zu riskant. Eine Demosession mit „unüberzeugendem Ergebnis“, so Roland, und der Ausstieg des Bassisten Rudolf Anfang 2007, führten schließlich zur Desorientierung. „Es war klar, dass wir aus uns heraus einen neuen Ansatz finden mussten.“
So folgten ein Tapetenwechsel von Bonn nach Köln, gleich um die Ecke vom Gitarristen Marian Menge, und viele Aufenthalte in Berlin, wo Roland unter anderem auch Annette Humpe traf. Sie bescheinigte ihm zwar eine „Wahnsinnsstimme“, erklärte aber auch, dass er sich in seinen Texten zu sehr abgrenze: „Du traust dich nicht zu sagen, was Sache ist.“ Eine Meinung, über die Roland sehr genau nachdachte. „Ich begann zu begreifen, dass ich Songs und kein Buch schreibe. Lieder können ein impulsives, emotionales Gefühl vermitteln, da ist kein Platz für Diskussion. Ich fing an, mehr und direkter zu sagen, was ich fühle. Ich betrachtete plötzlich Veränderungen als Antrieb. Man muss loslassen können, um weiterzukommen, und das habe ich auf uns bezogen: Alte Konzepte über Bord werfen und nur an Sachen festhalten, die einen weiter bringen.“ So gab es wesentlich weniger Vorgaben von Roland, „fast alle Lieder sind aus gemeinschaftlichen Jams entstanden.“ Erster Ansprechpartner, wenn es um den Austausch einer Idee ging, blieb immer Marian, der nie aufhörte an Voltaire zu glauben. Hedda, der Keyboarder, brachte schließlich immer noch eine besondere Note hinein. Auch der Schlagzeuger David war initial an Songideen beteiligt. Es gab eine neue Entwicklung, die jeder mit viel Talent und Glauben an die Sache vorantrieb.
Zusammen mit Philipp Gosch, neu am Bass, ging es im Sommer 2008 ins Ratinger Soundstation Studio. Nach der positiven Resonanz auf die neusten Demoaufnahmen, nahm diesmal unter Mitwirkung verschiedener Tontechniker Roland das komplette Album als Produzent selbst auf. Nach dieser Session, in der die Grundlagen für das Album geschaffen wurden, verließ Drummer David die Band der Liebe wegen Richtung England. Er wurde inzwischen durch Sebastian Nase ersetzt.
Zum Abschluss der Produktion bekam Roland Hilfe von Jem, der das Album abmischte. „Jem war sofort von unseren Ideen begeistert, hatte allerdings in Sachen Klang und Ästhetik viel mehr Kompetenz und Erfahrung. Er hat das, was ich vorgemischt habe, auf den Punkt gebracht.“
„Das letzte bisschen Etikette“ unterscheidet sich vom Vorgänger nicht nur durch mehr Klangebenen, mehr Feinheiten und neue lyrische Perspektiven, es ist auch in sich geschlossener. „Es ging bei der Produktion nie um den einzelnen Musiker, sondern immer um das Gesamtbild.“ So macht das erste Stück die Tür zu einem Raum auf, in dem sich alles andere abspielt – und den man anschließend betritt. Ein Gefühl, das Roland von seinen Auftritten her kennt. „In den besten Momenten auf der Bühne habe ich das Gefühl, die Leute leihen mir einen Raum, in dem ich mich ausbreiten darf. Meine Pflicht ist es dann, ihn zu füllen. Und wenn es mir gelingt, die Leute mit meinem Inneren, von dem ich singe, zu erreichen, bin ich der glücklichste Mensch der Welt.“
Man darf gespannt sein, wie Voltaire die Introvertiertheit vom Debüt mit der Extrovertiertheit des neuen Albums live auf der Bühne vermischen werden. Dass ihnen das gelingen wird, weiß jeder, der bereits Zeuge einer Voltaire-Show war.
Zuvor freut sich die Band darüber, dass „Das letzte bisschen Etikette“ am 27.03.2009 bei PIAS erscheinen wird, denn – so weiß Roland auch einen guten Grund dafür zu benennen – „PIAS ist mir hochsympathisch, schon deswegen, weil Gisbert zu Knyphausen bei denen ist. Ein Kollege, mit dem wir schon zusammen gespielt haben und den ich sehr schätze.“
Zeit für eine Wiederholung.
Ralph Buchbender
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